Andachten - Ev. Kirchengemeinden Borsdorf und Ober-Widdersheim

Evangelische Kirchengemeinden
Borsdorf und Ober-Widdersheim
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evangelisch
Update: 23.01.2021
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_Andachten_






Sonntag, 24.01.2021
Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, du hast uns heute zu dir gerufen,
um dein Wort zu hören.
So sende uns deinen heiligen Geist,
damit wir verstehen, was du uns lehren willst.
Hilf uns deine Wege zu verstehen
Und lass uns Mut gewinnen,
unsere Wege mit dir zu gehen.
Nimm dich aller Fragen und Zweifel an,
lass uns Antworten und Gewissheit in dir finden.
Verwandle die Mutlosigkeit in Mut
und unsere Angst in die Gewissheit deiner Gegenwart.
Du bist unser Herr,
führe uns, leite uns, kräftige uns, richte uns auf.
Damit wir dich mehr und mehr preisen und dir danken.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Rut 1,1-19a:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
 
Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Heute würde man die Familie als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen. Die Hungersnot bringt sie auf den Weg nach Moab, der Tod der Männer Jahre später wieder zurück nach Juda; denn ohne die Männer sind die Frauen unversorgt. Im Übrigen war auch schon bei Abraham und in der Josefsgeschichte der Hunger der Grund, um andere Länder aufzusuchen.

Der Hunger und wirtschaftliche Not setzen Völker in Bewegung. Ich finde es zynisch, heute die Not der Menschen um das tägliche Brot nicht als Fluchtgrund anzuerkennen. Jeder von uns würde es auch so machen. Denn, warum ziehen denn die jungen Leute aus unserem Landkreis weg? Weil sie hier keine Arbeit finden oder weite Wege zur Arbeit haben. Im Grunde sind sie sozusagen auch Wirtschaftsflüchtlinge. Nur, im eigenen Land fällt das nicht ganz so auf.
 
Was wollen die Menschen denn auch anderes tun? Verhungern ist auch keine Lösung. Also geht man da hin, wo das Leben möglich ist, in der globalisierten Welt auch über weite Entfernungen. Aber auch Kriege und Unterdrückung treiben die Menschen aus dem Heimatland. Irgendwo müssen sie bleiben.
 
Die Not trieb auch Naomi und Rut auf den Weg, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. In der fremden Heimat war dabei die Familie umso wichtiger.
 
Solange die Frauen noch die Männer hatten, war die Versorgung sichergestellt. Eine Rentenkasse wie bei uns gab es nicht. Die Familie war die Sozialfürsorge oder man musste betteln. Als alle drei Männer gestorben waren, blieb nur der Weg zurück zu der Familie, aus der sie kamen. Orpa geht den Weg zurück zu ihrer Familie, sie bleibt in Moab.
 
Rut aber geht mit Naomi. Ihre Antwort, die auch gerne als Spruch für Hochzeitsfeiern genommen wird, spricht die Schwiegertochter zur Schwiegermutter. Rut will Naomi nicht alleine lassen. Sie teilen ein Schicksal. Auch wenn Rut auf diese Weise in ein ihr fremdes Land geht, so will sie doch ihrer Schweigermutter beistehen. Denn so sicher ist es nicht, dass Naomi in der Heimat auch gut versorgt wird, wie wir aus der folgenden Geschichte erfahren. Im zerfallenen Haus ihres Mannes kommen sie unter und leben von den Almosen, die ihnen in der Erntezeit zu Teil werden. Erst durch die Heirat mit Boas wurde dann die Versorgung der Frauen sichergestellt.
 
Aber fremd bleibt Rut als Moabiterin im Land Juda dennoch.
 
Übrigens nach dem Gesetz, das nach dem Exil aufgestellt wurde, dass Israeliten nur Israelitinnen heiraten durften, wäre eine solche Ehe gar nicht möglich gewesen, so aber wird Rut zur Stammmutter der Königsdynastie Davids.
 
Was aber aus der Antwort Ruts an Naomi heraussticht, ist nicht nur die Zusage, die sie Naomi gab und damit die Liebe, die sie darin zeigte, sondern auch, dass sie sich zu dem einen Gott bekannte, den sie in der Familie ihres Mannes kennen gelernt hatte. „Dein Gott ist mein Gott.“ Dieser Gott, der die Menschen begleitet, der sein Volk rettet, der sie leitet und führt, der Himmel und Erde gemacht hat, diesem Gott wollte Rut vertrauen. Gerade auch in der Not, die sie getroffen hatte. Denn Gott verlässt sein Volk nicht. Er versorgt die, die an ihn glauben und begleitet ihren Weg. Er ist der gute Hirte, der das Leben in den Händen hält.
 
Der Glaube an diesen Gott machte Rut Mut, mit ihrer Schwiegermutter den schweren Weg zu gehen. Der Herr würde einen Platz für sie finden und beiden eine Zukunft schenken.
 
Wenn wir die weitere Geschichte betrachten, hat Gott für sie gesorgt. Ihre Hoffnung hat sich erfüllt. Das Leben geht weiter unter Gottes Segen.
 
So ist Gott auch an unserem Weg beteiligt und führt auch unsere Lebenswege. Er sorgt für uns. In der ganzen Geschichte Israels ist er ein mitgehender, ein begleitender, ein sorgender Gott und Vater, der keinen aus den Augen und damit aus seiner Obhut lässt. Was auch immer Menschen erfahren, wie schwer ihr Weg auch wird, keiner muss ohne Gott den Weg gehen, sondern bei ihm ist Hoffnung und Trost. Er sagt seine Kraft und seinen Segen zu, lässt aus unsicherer Zukunft eine gesicherte Zukunft werden. So ist er der Halt und der Anker, an dem wir uns festhalten können. Seiner Liebe können wir uns anvertrauen.
 
Diese Liebe Gottes hat auch Jesus verkündigt. Der Gott der Barmherzigkeit und allen Trostes, schickte seinen Sohn, um alle Menschen einzuladen, seiner Liebe zu vertrauen. Er gibt sich selbst in diese Welt hinein, und nimmt auf sich, was uns von ihm trennen könnte. Jesu starb für unsere Sünde und nimmt unsere Schuld von uns. Er überwindet für uns den Tod, und führt uns ins himmlische Paradies. Er will uns das Ziel des Lebens schon vor Augen stellen, das denen bereitet ist, die dem Herrn vertrauen. Der Gott, der das ewige Heil für uns bereitet hat, der will auch im Leben unser Herr und Retter sein. Unser Weg, wohin er auch führt, ist und bleibt geborgen durch ihn und in ihm in Ewigkeit.
 
Das ist die Zuversicht, die uns Mut macht, auch Neues zu wagen oder eben in der Fremde neue Heimat, Arbeit und Auskommen zu finden, so wie Rut es tat. Der Glaube ist eine feste Zuversicht, dass Gott den Weg für uns schon weiß. Er kann uns überall auf der Welt einen Platz geben.
 
Rut hat über die Familie Naomis von diesem Gott erfahren, dem sie vertrauen kann. Auch wir können anderen Menschen von diesem Gott erzählen und ihnen durch unser Zeugnis Mut machen, mit Gott ihren Lebensweg zu gehen, auch wenn dieser Weg in andere Länder, andere Gemeinschaften, zu fremden Menschen führt, so wissen wir doch: Gott geht diesen Weg mit. Viele Missionare haben sich unter der Verheißung Gottes von der Vergangenheit bis in die Gegenwart auf den Weg gemacht. Sie haben Gottes Wort weitergetragen. Mit Gottes Hilfe breitet sich das Wort auch durch uns aus und andere Menschen kommen zum Glauben an den Herrn. Gott rettet überall auf der Welt Menschen durch seinen Sohn, Jesus Christus. Er begleitet uns hier in dieser Welt, damit wir zum Segen werden, bis er uns die letzte Heimat schenkt, die himmlische, in der wir bei ihm vollendete Gemeinschaft finden in Ewigkeit. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 10.01.2021
Andacht zum 1. Sonntag nach Epiphanias für Borsdorf und Ober-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast Jesus in seiner Taufe
als deinen lieben Sohn offenbart
und den Geist auf ihn herabgesandt.
Wir bitten dich:
Gib, dass auch wir uns als Getaufte
von deinem Geist leiten lassen,
deinem Willen folgen,
und gehen, wohin du uns führst.
Mache uns zu Gottes Kinder,
die nach deinem Willen leben,
zu Brüdern und Schwestern Jesu,
die ihm nachfolgen und ganz auf ihn vertrauen,
und zu Zeugen des Heiligen Geistes,
die das Geschenk deiner Liebe in Wort und Tat preisen.
Sei du mit uns und leite uns.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Röm 12,1-8:
Liebe Schwestern und Brüder!

 
Mich bewegt diese Woche eine ganze Menge:
 
Die ausgeuferten Proteste in Amerika, angestachelt von einem uneinsichtigen Präsidenten. Menschen, die ihren eigenen Institutionen nicht mehr trauen. Obwohl alle Gerichte Trumps Unterstellungen einer gefälschten Wahl zurückgewiesen haben, glaubt ein Viertel der Amerikaner an seine falschen Behauptungen.
 
Eine andere Nachricht bewegt mich:
 
Die Nachricht, dass viele Pflegerinnen und Pfleger sich nicht impfen lassen wollen, weil sie lieber den angeblichen Nachrichten auf Facebook glauben, die ihnen einreden, dass der Impfstoff nicht sicher wäre und Nebenwirkungen hätte, statt sich vernünftig über das RKI und bei Ärzten zu informieren. Heute kann jeder auch falsche Infos streuen. Es ist verheerend, wenn gerade das Personal, das sich um ältere und kranke Menschen kümmert, nicht mit gutem Vorbild vorangeht und damit sich und andere gefährdet.
 
Als drittes wundere ich mich über, die Menschen, die in Massen in die Skigebiete fahren und sich dort zusammendrängen, als wäre das in dieser Zeit vernünftig. Abseits, jeder für sich, wäre ok, aber so?
 
Es scheint so, als hätte das alles nichts miteinander zu tun. Aber all das ist das Ergebnis einer modernen Maxime, die Trump zum Motto erhoben hat: Erst ich und dann ich und dann wieder nur ich.
 
Ich habe das Recht! Ich kann machen, was ich will! Ich darf! Ich stehe im Mittelpunkt! Was andere denken, was andere wollen, was andere sagen, ist mit egal. Was zählt, ist meine Meinung, sonst nichts. Gesetze, Regeln, Vorschriften und ähnliches sind nur gut, wenn sie mir dienen. Ich lasse mir nichts vorschreiben.
 
Ich, Ich, Ich!
 
Leider sind diese Menschen gegen Argumente immun. Sie sind im eigenen Kosmos gefangen. Hinein gelangt nur, was zum eigenen Bild passt.
 
Diese Grundhaltung gefährdet alles, gerade auch die Freiheit der Menschen, die sie für sich so sehr einfordern. Denn wenn jeder nur seine Meinung gelten lässt, dann führt das zur Anarchie, wie wir in Amerika gesehen haben. Aber auch auf den Demos der Querdenker oder beim Sturm auf den Reichstag oder bei dem Mob, der sich bei Pegida vor Jahren sammelte und noch immer sammelt.
 
Und auch in den Skigebieten, wo manche Menschen den Anordnungen der Polizei kaum noch Folge leisten. Appelle, gar nicht erst hinzufahren verhallen ungehört. Denn ich will...
 
Demokratie und überhaupt das Zusammenleben funktioniert aber nur, wenn wir aufeinander hören, Argumente noch austauschen können und sie wirklich abwägen und dabei bereit sind, unsere Meinung zu ändern. Zusammenleben funktioniert nur, wenn wir miteinander leben und nicht gegeneinander, wenn die Freiheit, die Freiheit auch des anderen ist und die eigene Macht Grenzen hat, wo sie andere beeinträchtigt, mein Recht an Grenzen stößt, wo es andere Rechte berührt. Wenn das eigene Leben auch Pflichten hat, die am Gemeinwohl sich orientieren und nicht nur am eigenen Nutzen.
 
Wir steuern mit dem derzeitigen Egoismus der Menschen auf die Anarchie zu. Das gibt mir zu denken und macht mich traurig.
 
Es entspricht auch nicht dem, was uns der christliche Glauben lehrt. Gott hat uns seine ganze Gnade und Liebe geschenkt. Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft mit ihm, weil Jesus uns alle gleichermaßen erlöst hat und Sünde und Tod überwunden hat. Er will uns zu neuen Menschen machen, die seiner Liebe folgen. Dazu gibt er uns seinen Geist und seine Liebe ins Herz, damit wir es auch umsetzen können. Keiner ist vor Gott mehr oder weniger wert. Vor ihm sind wir seine Kinder, Schwestern und Brüder im Glauben, verbunden in der Liebe, die uns trägt und zur Gemeinschaft führt.
 
Nachdem Paulus Gottes Heil in Christus in den ersten elf Kapiteln des Römerbriefes dargelegt hat, geht es in den folgenden Kapiteln um die Umsetzung.
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Röm 12,1-8:
 
Paulus schreibt: Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.
 
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
Unser Leben ist für Paulus, die Antwort auf Gottes Gnade, Liebe und Barmherzigkeit. Paulus ruft uns auf, unser Leben als Gesamtes als einen Dienst für Gott zu begreifen. Unser Leben soll sich ändern lassen, von der Liebe Gottes.
 
In der Welt geht es um den Rang zwischen den Menschen. In ihr gilt: Der eine ist mehr wert als der andere, der eine hat mehr zu sagen als der andere. Der eine kann sich durchsetzen, der andere verliert. In der Welt zählt scheinbar der Egoismus, sich herausstellen, sich groß machen, etwas sein.
 
Selbst unter Christen kann es dieses Rangfolge­denken geben. Aber wir sollen uns darauf nichts einbilden, weil wir angeblich die besseren Christen wären oder Lehrer oder Prediger oder Kirchenvorsteher oder auch gute Tröster oder Helfer im Alltag ... Gott hat allen eine besondere Aufgabe gegeben und besondere Fähigkeiten. Aber alle sind gleich viel wert. Jeder ist Teil am Leib Christi. Jeder ist ein Rädchen im Getriebe, doch nur zusammen funktioniert das Ganze. Und jeder hat seinen Wert und seine Würde von Gott her, aber er dient dem Ganzen.
 
Wenn Menschen sich für was besseres halten, sich über andere setzen, meinen, über Gesetz und Ordnung zu stehen, dann verletzten sie die Gemeinschaft, dann wird das lieblos und sie beleidigen Gottes Willen.
 
Ändert euch und euer Leben gemäß der Barmherzigkeit und Liebe, die Gott euch geschenkt hat, ruft Paulus uns zu. Macht euch nicht zu etwas Besserem, wie es dem Denken in der Welt entspricht, sondern ordnet euch der Liebe unter. Folgt dem, was der Liebe entspricht, was allen gut tut, was jedem dient, was allen hilft, was uns zur vollkommenen Liebe und Gemeinschaft führt.
 
Wir sollen als Christen prüfen, was Gottes Willen entspricht, was er uns ins Herz gegeben hat: Es sind seine Liebe und Barmherzigkeit. Sie sollen unser Reden, Denken und Handeln bestimmen.
 
Das ist der Gegenentwurf zum egoistischen Denken, von Überheblichkeit und Ellenbogenmentalität. Im Glauben geht es um die Gemeinschaft, um das Miteinander. Rücksicht sollen wir üben, das tun, was dem anderen dient. Es geht nicht darum, um sich selbst zu kreisen und den eigenen Willen durchzusetzen, sondern den Blick zu dem Mitmenschen zu erheben und zu sehen, wo wir ihm helfen, beistehen oder Wert zusprechen können und ihm sein Recht zukommen lassen können.
 
Unser Leben sollten wir so führen, dass es der Gemeinschaft dient. Das würde der Liebe entsprechen, die Gott uns gibt. Alle können zum Gesamten einen Beitrag leisten, wenn sie miteinander und nicht gegeneinander leben. Dazu gehört auch, dass wir uns einschränken, damit der Mitmensch auch sein Recht auf Leben erhält. Jeder hat seine Stellung, seinen Platz im Getriebe der Welt, so dass es nicht auseinanderfällt. Doch dazu müssen wir darauf verzichten, uns als den Mittelpunkt des Universums zu sehen und auf manches verzichten, was nur unserem Egoismus dient. Jeder braucht Raum zum Leben. Unser Leben grenzt an andere Menschen. Ihre Grenzen sollen wir achten. Unser Recht ist auch ihr Recht zum Leben.
 
Doch dazu müssen wir wieder anfangen, aufeinander zu hören, einander wahrzunehmen und auch andere Meinungen ernst zu nehmen. Vielleicht sind wir es ja, die den Fake News aufgesessen sind. Sind wir bereit das zu überprüfen? Zusammenhalt gelingt nur dort, wo wir bereit sind uns selbst zu korrigieren, und die eigene Meinung auch mal hintenanstellen. Es geht in der Liebe um das Miteinander, dazu soll unser Leben dienen. Möge Gott uns dafür seinen Geist und die Liebe schenken, und die Menschen wieder zusammenführen, bei uns und in Amerika und der ganzen Welt. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und im Glauben an seine Kraft wird es gelingen. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 03.01.2021
Andacht zum 2. Sonntag nach Weihnachten für Borsdorf und Ober-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Gnädiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus,
du hast der Welt in deinem Sohn
die Fülle des Heils geschenkt.
Du hast uns mit dir verbunden.
Durch ihn ist uns vergeben,
durch deine Liebe hast du uns
zum Leben mit dir geführt.
Wir bitten dich:
Lass uns alle Tage des neuen Jahres
im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung wachsen.
Damit wir dir in Wort und Tat dienen.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Lk 2,41-52:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten's nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als unsere Kinder noch klein waren, 3 ¼ waren sie glaube ich, waren wir im Opel-Zoo im Taunus. Wir hatten schon einen Rundgang gemacht und waren am Spielplatz angekommen, die Kinder spielten fröhlich. Plötzlich war Janine verschwunden. Oh Schreck, wo ist sie denn hin? Auf dem Spielplatz war sie nicht. Ich blieb bei Evelyn, meine Frau ging auf die Suche. Bei den Elefanten ein ganzes Stück weiter hat sie Janine dann gefunden. Aber was war das für ein Schrecken.
 
Wie muss es da erst Maria und Josef gegangen sein, als sie am Abend feststellten: Jesus ist nicht bei den Pilgern. Er war nicht bei den Freunden, ja, nicht einmal mit auf dem Weg gewesen. Was für eine Panik muss sie da ergriffen haben! Also zurück nach Jerusalem. Aber wie findet man ein Kind, wenn auch schon zwölf Jahre alt, in einer so großen Stadt?
 
Drei Tage waren sie auf der Suche, bis sie ihn fanden. Sicher sind sie alle Wege und Orte abgelaufen, die sie besucht hatten. Herbergen, Gasthäuser, Pilgerstätten. Unzählige Menschen werden sie nach ihrem Sohn gefragt haben. Endlich kamen sie im Tempel an und fanden ihn bei den Gelehrten. Endlich nach drei Tagen voll Sorge und Ängste um ihn, waren sie froh ihn zu sehen. Aber sicher hatten sie auch Vorwürfe im Kopf: Was tut der Bengel uns an? Warum hast du uns das angetan?
 
Er saß da seelenruhig bei den Lehrern. Interessiert lauschte er ihren Reden. Will mehr wissen und gibt gute Antworten auf ihre Fragen. Ein pfiffiges Kerlchen war Jesus wohl. Die Lehrer wunderten sich über ihn, über seinen Verstand, seine Antworten.
 
Nun muss man wissen, dass jüdische Jungs, wie bei uns bei der Konfirmation auch, auch im Judentum als vollgültige Gemeindeglieder aufgenommen werden. Später gab es das Bar Mizwa Fest, ob es das zu Jesu Zeiten schon gab, ist umstritten. Aber so mit 12 bis 13 Jahren sollten die Jungen die Thora lesen, ja, auch in der Synagoge, dem Gebetshaus vorlesen können und waren in der Auslegung der Schriften zumindest mit Grundkenntnissen unterrichtet.
 
Jesus war mit seinen Eltern nach Jerusalem gereist. Das könnte heißen, dass er schon in dem Alter war, dass er alle Regeln des Glaubens einhalten musste und deshalb auch zum Passahfest mitgekommen war. Sicher hat er in Nazareth Unterricht gehabt. Aber natürlich steckt da noch mehr dahinter, wie wir uns denken können.
 
Seine Antwort an seine Eltern klingt auf den ersten Blick ziemlich frech: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?
 
Verstanden haben Maria und Josef das nicht.
 
Aber klar, er ist Gottes Sohn. Wo sollte er anders sein als im Haus Gottes. Dort, wo Gott seine Gegenwart zugesagt hat, dort, wo die Opfer gebracht werden, wo das religiöse Zentrum ist, wo die klügsten Lehrer sich versammeln und über den Glauben diskutieren. In den weiten Hallen auf der Südseite des Tempels in den königlichen Hallen, da traf man sich zum Austausch. Dort werden Maria und Josef auch Jesus gefunden haben. Es ist die einzige Kindheitserzählung ,die uns in den Evangelien überliefert ist.
 
Es wird darin schon deutlich, wer der Knabe ist, der da unter den Lehrern saß. Maria hätte es wissen können. Von der Botschaft der Hirten, denen der Heiland verkündigt wurde, von Simeon und Hanna, die auf den Retter gewartet haben, und ihn schon bei seiner Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt als den Heiland erkennen. Aber Jesus musste auch erst wachsen und groß werden, bevor er als Messias auftrat und die Menschen zu seinem Vater führte. Erst nach der Taufe durch Johannes begann sein Wirken.
 
Doch im Kind steckt schon, was er einmal werden wird. Die klugen Antworten, die gescheiten Fragen zeigen schon, dass er mehr ist als nur ein gewöhnlicher Knabe. Er ist Gottes Sohn. Bei seinem Vater muss er sein. Gott ist bei ihm, mit ihm auch schon in den Jugendtagen. Er hört Gottes Wort und lernt die Schriften. Gott selbst unterweist ihn durch seinen heiligen Geist, dass er mehr und mehr an Weisheit und Gnade zunimmt. Schon kann er mit den frommen und gelehrten Männern seiner Zeit mithalten.
 
Mit ihnen wird er sich als erwachsener Mann auseinandersetzen, mit ihren strengen Gesetzen, den Regeln des Glaubens und des Lebens, mit ihrer aufgesetzten Frömmigkeit, ihrem zur Schau getragenen Glauben. Mit den Pharisäern, die besonders gut die Schrift kannten, hat er sich dann angelegt. „Das Gesetz ist für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für das Gesetz.“, wird er ihnen sagen. Er wird ihnen vorwerfen, sich selbst für etwas Besseres zu halten, wie im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Er wird ihre Heuchlerei kritisieren, weil sie das Gesetz zu ihrem Zweck umdeuten. Wie in der Geschichte, in der sie ihre Gabe für die Eltern zur Opfergabe erklären, statt sich um ihre Eltern zu kümmern. Er zeigt ihnen ihre Schwachstellen auf, wenn sie andere ausschließen, statt die Menschen zu Gott zu führen. Ihre Heuchelei, wenn sie meinen das Gesetz halten zu können, dabei sind sie Sünder wie jeder andere Mensch auch. Keiner kann vor Gott gerecht sein. Niemand hält das ganze Gesetz. Doch er will es nicht auflösen, sondern erfüllen. Er erfüllt Gottes Willen und geht für die Sünden der Welt in den Tod. Er trägt die Last der Welt ans Kreuz. Er nimmt unsere Strafe auf sich. Damit wir nicht sterben, geht er durch den Tod. Doch er bleibt nicht fern von Gott, und Gott lässt ihn nicht allein. Der Herr ist auferstanden von den Toten. Gott hat ihn auferweckt, damit das Leben siegt. Mit ihm werden auch wir zum Vater gehen und mit ihm Heimat finden in den himmlischen Auen, an Gottes Seite. In der Ewigkeit wird unser Leben vollendet und wir werden ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, ihn ganz erkennen, wie er ist und wer er ist.
 
All das ist schon angelegt, als er als Zwölfjähriger unter den Lehrern sitzt. Er ist ihren Argumenten gewachsen, er kann mitreden und beginnt die zu lehren, die ihn belehren sollten. Er kann ihnen Gottes Liebe und Güte aufzeigen, den Weg, den Gott zu den Menschen geht. Denn der Vater im Himmel will uns gewinnen, dass wir zum Glauben und Leben gelangen. Jesus ruft uns in die Gemeinschaft mit Gott, dem jeder Mensch wichtig und wertvoll ist. Wir sollen nicht verloren gehen, sondern gefunden werden. Gott wartet auf uns, auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes und der Tochter, die ihn vergessen hatte. Jesus Vater erwartet uns und er will uns die Liebe lehren, die von Gott kommt und zu Gott führt, damit auch wir zum Vater finden und sind, wo wir sein sollen: in Gottes guten Händen geborgen, voll Vertrauen in den Vater im Himmel. Jesus führt uns zu ihm und damit zum Leben. „Ich muss in dem sein, was meines Vaters ist!“ sagt Jesus. Er ist auch bei uns in der Liebe, im Vertrauen auf Gott, in der Gegenwart des Herrn. Nicht nur im Tempel, überall, wo von ihm geredet und in seinem Namen Menschen zusammenkommen, ist auch Gott in Jesus durch den Heiligen Geist gegenwärtig. Wir können in ihm den erkennen, der sein Vater ist, Gott selbst ist mitten unter uns.
 
Die Lehrer werden es noch nicht begriffen haben und auch Maria und Josef werden andere Gedanken im Kopf gehabt haben. Der Bengel, einfach da bleiben und den Eltern so einen Schrecken einjagen, ab nach Hause. Erst nach Jahren kann sich Maria daran erinnern, dass damals Jesu schon bei Gott sein wollte. Gott war mit ihm und er wuchs auf unter Gottes Gnade. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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